Die erste Hürde: ein Miet-Wohnmobil im Corona Sommer 2020 ergattern?

Nachdem unsere erste Elternzeit im März 2020 ins Wasser gefallen war und aus einem Dänemark-Urlaub ein glücklicherweise toller Urlaub in Hamburg wurde, sollte unsere zweite Elternzeit uns definitiv wohlgesonnener sein. Das hofften wir zumindest.

Als Alternative schlug ich meiner Frau eine Rundreise in einem gemieteten Wohnmobil vor. Anfangs war sie relativ skeptisch, da sie die Befürchtung hatte, dass an Bord für uns beide mit kleinem Kind zu wenig Platz sein könnte. Mit meinem Argument, dass wir jederzeit überall anhalten, die großzügige Spieldecke ausbreiten und die Markise rausfahren könnten, nahm ich ihr dann aber zum Glück die Bedenken. Letztendlich hat man ja in der Natur das größte Wohn- oder Spielzimmer direkt vor der Tür (je nachdem, wo man anhält natürlich) – und tadaa… es gibt immer wieder neue Dinge zu sehen und zu entdecken. Es wird quasi nie langweilig!

Auf unserer Suche nach einem Wohnmobil wurde uns klar, dass wir nicht die einzigen waren, die in dieser herausfordernden Zeit die Idee eines Camper-Urlaubs hatten. Gefühlt war ein richtiger Hype ausgebrochen und alle Wohnmobile bereits vermietet. Auch bei Stadt Land Camp! waren alle Camper ausgebucht. Bis auf einen, der eigentlich demnächst verkauft werden sollte…

Wenn das Unmögliche möglich gemacht wird…

Wir sahen unsere Chancen auf eine entspannte Elternzeit-Tour schon gen Null gehen, als André uns anbot, den Camper erst später zu verkaufen um uns unsere Reise zu ermöglichen. Wir waren baff und sagten natürlich direkt „JAAA!“ 🙂

Unsere 3-wöchtige Elternzeit starteten wir in der Pfalz, umgeben von Weinreben, auf einem Weingut, das wir über das mitgebuchte „Landvergnügen“ fanden. Nach nur einer Nacht ging es für uns direkt weiter zum Bodensee. Hier richteten wir für unseren Kleinen das erste Kinderzimmer unter freiem Himmel ein. Einfach großartig! Voll ausgestattet mit Spielzeug und Kriechtunnel wurde getollt und Geschichten vorgelesen. Das Ess- und Wohnzimmer platzierten wir unter der Markise direkt am Wohnmobil und genossen wunderbares Wetter bei bestem Ausblick in die Natur.

Über Österreich und die Schweiz ging es weiter nach Prad am Stilfserjoch (Nationalpark) in Italien.

Die Sonne genießend und mit Ausblick auf die südtirolischen Berge richteten wir uns auch hier wieder häuslich unter freiem Himmel ein. Nicht nur die Stadt Prad beeindruckte uns mit all den sich bietenden Möglichkeiten, sondern auch der Camper überraschte uns immer wieder, mit wie viel Platz und Stauraum er eigentlich aufwartete. Die Bedenken von zu wenig Platz lösten sich spätestens nach unseren ersten Reise-Stationen in Luft auf, da wir jedes Mal erlebten, wie gut wir ausgestattet waren und wie einfach es war, all die Dinge (wie Kinderwagen, Hochstuhl etc.) zu verstauen, bzw. wie zugänglich und leicht zu handhaben alles war.

…badet man im wärmsten Badesee der Alpen.

Weiter ging es für zwei Nächte nach Meran (auf italienisch: Merano), ebenfalls in Südtirol. Mit der Seilbahn genossen wir hier den Ausblick auf das Skigebiet Meran 2000, welches von 1670 bis 2300m Höhe reicht. Es sah wirklich atemberaubend aus! Wir konnten uns kaum sattsehen!
Bei Spaziergängen und bestem Sonnenwetter erkundeten wir die bergige Landschaft, während unser Kleiner seinen Mittagsschlaf an der frischen Luft in der Rucksacktrage machte.  Schöner hätten wir uns unsere gemeinsame Zeit tatsächlich nicht ausmalen können. Zum Glück war gerade erst Halbzeit bei unserem dreiwöchigen Familien-Abenteuer.

Unser nächster Campingplatz lag dann direkt am Kalterer See (italienisch: Lago di Caldaro), der der größte natürliche und auch einer der wärmsten Badeseen in Südtirol ist. Wassertemperaturen von frühlingshaften 18 bis hin zu sommerlichen 28 Grad sprechen hier wohl für sich. Mit Steg zum Reinspringen ausgestattet, blieben wir weiter wunschlos glücklich und genossen die lauwarmen Temperaturen am Abend unter freiem Himmel – ausgestattet mit leckerem Wein, Kerzenlicht…und Babyphone. Einfach fantastisch, wenn ihr uns fragt!

Die Dolomiten – ein Traum für Elternzeittourer

Nachdem wir auf unser Weiterreise in Bozen (italienisch: Bolzano) die wunderschöne Innenstadt erkundet hatten, ließen wir auf der Seiser Alm den beeindruckenden Ausblick bei einer Gondelfahrt in über 2.000 Metern Höhe auf uns wirken. Die Seiser Alm ist das größte europäische Hochplateau der Dolomiten (in Gröde). Sie hat neben dem unglaublichen Ausblick in die Weite und auf das Gebirge auch kulinarisch, in Form von Gasthäusern, jede Menge zu bieten. Also: ebenfalls sehr empfehlenswert 😉

Die darauffolgenden 5-6 Nächte verbrachten wir dann am Toblacher See (Lago di Dobbiaca).
Direkt in den atemberaubenden Dolomiten gelegen, fanden wir unser nächstes Zuhause auf Zeit. Wir verbrachten jeden Tag damit, die unglaubliche Landschaft zu erkunden. Bei kleinen Ausflügen, Spaziergängen und Wanderungen lernten wir die umliegenden Dörfer kennen, tranken Kaffee und aßen Kuchen in kleinen Cafés. Dank Kinderwagen oder Rucksacktrage waren wir immer auf ein kleines Mittagsschläfchen unseres Sohnes vorbereitet.
Kurz vor Abreise fuhr ich dann noch mal in die Stadt Dobbiaco, um unsere Vorräte für die Rückfahrt aufzufüllen. Auf dem Klapprad, welches wir ebenfalls mitgenommen hatten, war die Fahrt RUNTER in den Ort keine große Herausforderung. Allerdingt gestaltete sich der Rückweg ziemlich schwierig, als ich schiebender Weise, wie ein Packesel (tztz – typisch – ich hatte wieder mal viel zu viel eingekauft) den Berg zum Campingplatz wieder HOCH musste.

Letzte Ausfahrt Nürnberg

Sehr gut ausgestattet und mit der Gewissheit, dass wir nicht verhungern würden, führte uns unser Heimweg dann über Nürnberg zurück nach Hamburg. In Nürnberg selbst nahmen wir uns noch mal ganz bewusst einen Tag Zeit, um die Innenstadt bei bestem Sommerwetter zu erkunden und lecker essen zu gehen. Der perfekte Ausklang einer sehr erfüllten dreiwöchigen Rundreise. 🙂

Resümee

Nachdem wir nun das erste Mal alleine als Familie in einem Wohnmobil unterwegs waren (davor allerdings schon zwei Mal mit Freunden im Camper auf Tour), waren wir uns ziemlich schnell einig, dass diese Art des Reisens etwas ganz Besonders (für uns) ist und wir diese Freiheit zukünftig gerne regelmäßig genießen wollen. Daher werden wir nun alle zwei Jahre eine Familien-Auszeit im Wohnmobil einplanen.
Der Vorteil keinen Termindruck (Check-In, Abflugzeiten einhalten etc.) zu haben und das Gefühl von totaler Freiheit und Flexibilität ist einfach großartig. Es hat uns gezeigt, dass wir in dieser intensiven Familien-Zeit auf eine ganz andere Art zusammenwachsen als Zuhause.
Hinzu kommt, dass nicht nur wir, sondern auch unser Kind durch Erlebnisse und neue Eindrücke spielerisch und total ungezwungen die Natur kennenlernt und einen Großteil der Zeit draußen an der frischen Luft verbringt. Das für uns beste Gesamtpaket. 🙂

Steckbrief

Steckbrief-Image - Benedikt Heitmeier - Unsere Elternzeit (totale Freiheit und grenzenlose Flexibilität)

Benedikt (36)

Stadt Land Camp Logo Schmuckelement Straße mit Bäumen

Lieblingsstellplatz

Camping am Toblacher See und Camping Sägemühle in Prad

Lieblingsort/-strand/-berg

Meran, Seiser Alm und der Toblacher See

Was kam total unerwartet / überraschend unterwegs?

Die Erkenntnis, wie schön es in den Alpen ist. Wir waren nie zuvor so lange in den Alpen.

Was habt ihr getan, was ihr niemals gedacht hättet? Worüber wart ihr froh, dass ihr es flexibel machen konntet?

So häufig Seilbahnen zu nutzen kam unerwartet, allerdings keineswegs negativ, im Gegenteil. Wir waren natürlich an keine Essenszeiten oder überhaupt irgendwelche Zeiten gebunden; sehr angenehm mit Baby!

Was habt ihr über euch selbst gelernt?

Das wir sehr gut drei Wochen und mit Sicherheit auch viel viel länger wunderbar in einem relativ beengten Raum sehr gut zurecht kommen.

Gerne wieder Campingtour / Wiederholungsbedarf?

Ja, jedes zweite Jahr. Fest eingeplant!

Nächstes Urlaubsziel?

Tatsächlich erstmal wieder in die Alpen. Neue Orte, Seen und Pässe erkunden. Es gibt noch so viel zu erleben!

Bildrechte by Benedikt Heitmeier