Mit dem Wohnmobil durch Südschweden im Frühling

Südschweden im Frühling? Für viele klingt das erst einmal nach kühlem Wetter, grauem Himmel und vorsichtiger Planung. Genau deshalb lieben wir diese Jahreszeit so. Denn unsere Wohnmobiltour im April hat uns erneut gezeigt: Wer flexibel ist, wird belohnt. Mit viel Licht, überraschend milden Tagen, erwachender Natur – und einer Ruhe, die man in der Hauptsaison kaum noch findet.

Gerade im Frühjahr zeigt sich Südschweden von einer Seite, die perfekt zu Campern passt – und ganz besonders zu Camping-Einsteigern und Familien. Vieles ist offen, aber nichts überlaufen. Wege sind kurz, Stellplätze entspannt, und selbst spontane Stopps fühlen sich nie nach Stress an.

Wir reisen als Familie: zwei Erwachsene (meine Frau Andrea und ich), unsere zwei Kinder Mads und Målin, unser Wohnmobil – und kein fester Zeitplan. Genau das ist es, was wir bei Stadt Land Camp immer wieder erleben und weitergeben möchten: Camping muss nicht kompliziert sein. Es darf leicht sein. Und Südschweden im Frühjahr ist dafür wie gemacht.

Anreise: Mit der Fähre von Travemünde nach Trelleborg – Urlaub ab der ersten Minute

Schon die Anreise fühlt sich nach Urlaub an. Mit der TT-Line-Fähre von Travemünde nach Trelleborg beginnt die Reise nicht erst in Schweden, sondern bereits an Bord. Für uns ist die Überfahrt kein notwendiges Übel, sondern ein echtes Highlight – besonders mit Kindern.

Wir rollen entspannt auf die Fähre, parken das Wohnmobil und lassen den Alltag hinter uns. Die Kinder erkunden neugierig das Schiff, entdecken Treppen, Gänge und Aussichtsdecks und vor allem die Kinderspielplätze und das Kids-Entertainmentprogramm. Für sie fühlt sich alles ein bisschen wie Kreuzfahrt an – nur ohne steifes Programm. Es gibt genug Platz zum Umherlaufen, Fensterplätze mit Meerblick, Spiel und Spaß mit anderen Kindern und kleine Rituale: Pommes und gekochte Eier an Bord, Uno spielen, draußen stehen und den Wind spüren.

Während das Schiff ruhig durch die Ostsee gleitet, vergeht die Zeit wie im Fluge. Am frühen Abend öffnet sich der Blick auf die schwedische Küste. Wir snacken noch kurz was, packen langsam zusammen – und rollen ausgeruht in Trelleborg von Bord. Kein Stau, kein Jetlag, kein Stress. Genau so sollte Urlaub anfangen.

1. Ystad: Ankommen, Durchatmen und das erste Schweden-Gefühl

Unser erster Stopp ist Ystad – und er könnte kaum besser gewählt sein. Die kleine Küstenstadt empfängt uns mit pastellfarbenen Fachwerkhäusern, schmalen Gassen und Kopfsteinpflaster, das jeden Schritt ein bisschen langsamer macht.

Zunächst „checken wir ein“. Wir stoppen am städtischen Stellplatz, der gute 2 Kilometer vorm Hafen und Zentrum liegt. Dieser einfache Rasenparkplatz bietet einen wundervollen Ausblick auf die Ostsee und den kleinen davor gelegenen Strand. Erste Reihe, nur zwei andere Camper neben uns – und das ganze sogar kostenlos in der Nebensaison. Målin und Mads stürmen sofort zum Strand und bauen ihre erste Sandburg, anschließend gibt´s den ersten Spaziergang mit Meeresbrise. Wir fühlen uns direkt angekommen.

Am nächsten Morgen schlendern wir zum Hafen und ohne Ziel durch die Altstadt, trinken Kaffee in der Sonne und lassen den Blick über Fassaden, Fensterläden und kleine Gärten schweifen. Alles wirkt ruhig, freundlich und unaufgeregt. Selbst die Kinder passen sich diesem Tempo sofort an – kein Drängeln, kein „Wann geht’s weiter?“.

Gerade im April fühlt sich Ystad an wie eine Filmkulisse, die nur für uns aufgebaut wurde. Es ist der perfekte Ort, um nach der Fähre anzukommen, sich zu orientieren und langsam in den schwedischen Rhythmus zu finden. Für Camping-Neulinge ist das Gold wert: kein Chaos, keine Überforderung – einfach ein sanfter Start.

2. Löderups Strandcamping & Ale Stenar: Weite, Wind und erste große Wow-Momente

Nur eine kurze Fahrt weiter erreichen wir Löderups Strandcamping. Der Platz liegt direkt an der Ostsee, offen, weit und herrlich eingebettet in das Naturreservat Backåkra. Es ist Vorsaison, viele Parzellen sind frei, und wir können uns den Platz aussuchen, der sich richtig anfühlt – ein Luxus, den man im Sommer oft vermisst. Somit gönnen wir uns erneut die erste Reihe. Diesmal bedeutet das: direkt auf Sand oberhalb des wunderschönen Naturstrands. Eine seltene und unvergessliche Gelegenheit.
Der Tag gehört dem Draußensein. Wir ziehen los zu einem kleinen Streifzug durch den oberhalb des Platzes gelegenen Wald, der hinauf auf ein Hochplateau des Naturreservats führt. Zwischen knorrigen Bäumen und spannenden Steinformationen eröffnen sich immer wieder neue Blicke auf die Ostsee. Der Wind trägt den Duft von Salz und Frühling herüber. Auf dem Rückweg wird ein halbfertiges Tipi am Wegesrand entdeckt – und kurzerhand vollendet: Mads baut, Målin dekoriert. Ein kleines Gemeinschaftsprojekt, ganz nebenbei entstanden.

Am Abend färbt ein intensiver, fast unwirklich bunter Sonnenuntergang den Himmel. Wir stehen im Sand, schauen dann das große Finale durch unsere mächtige Frontscheibe, schweigen, lassen den Tag nachklingen – und fallen später müde, zufrieden und mit diesem leisen Glücksgefühl ins Bett.

Der nächste Morgen beginnt mit gespannter Vorfreude: Mads wird acht Jahre alt. Der Geburtstagstisch ist geschmückt, die mitgebrachten Geschenke warten, und es gibt Geburtstagskuchen zum Frühstück – ein kleines Ritual, das unterwegs noch besonderer ist als zu Hause.

Anschließend brechen wir zu einem Tagesausflug nach Kåseberga auf. Hoch oben auf den Klippen thronen die Ales Stenar, mächtige Steinsetzungen, die sich wie ein steinernes Schiff gegen den Himmel abzeichnen. Der Wind bläst kräftig, der Blick über das Meer ist überwältigend. Die Kinder rennen zwischen den Steinen umher, stellen Fragen, erfinden Geschichten. Für sie ein Abenteuerspielplatz, für uns ein Ort voller Geschichte und stiller Ehrfurcht.

Zurück auf dem Campingplatz beschließen wir den Tag mit einem langen Strandspaziergang. Das Licht wird weicher, die Farben zarter, die Ostsee liegt ruhig und weit vor uns. Wir gehen barfuß durch den Sand, sammeln Steine, hören das gleichmäßige Rauschen der Wellen – und wissen: Genau deshalb reisen wir im Frühjahr. Diese Ruhe ist unbezahlbar.

3. Stenshuvuds Nationalpark & Tosteberga Hamn: Natur, die sofort entschleunigt

Auf dem Weg Richtung Norden legen wir eine Stippvisite im Stenshuvuds Nationalpark ein. Kurze Wanderungen führen durch Wälder, über Hügel und immer wieder zu Aussichtspunkten mit Blick auf das Meer. Das frische Grün fängt langsam an zu sprießen, Vögel zwitschern, und die Luft ist klar und kühl.

Für die Kinder wird jeder Pfad zum Entdeckungsparcours, für uns ist es ein erstes tiefes Durchatmen. Alles fühlt sich leicht an – keine langen Anfahrten, kein Zeitdruck, einfach Natur.

Unser Tagesziel ist der Stellplatz Tosteberga Hamn. Klein, ruhig und direkt am Wasser gelegen, ist er ein perfektes Beispiel dafür, wie angenehm Camping in Schweden funktioniert. Abends sitzen wir im Wohnmobil, schauen auf den Hafen und lassen den Tag Revue passieren. Kein Lärm, keine Hektik – nur Wasser, Himmel, schaukelnde Masten und dieses Gefühl, genau richtig zu sein.

4. Karlskrona: Stadt, Wasser und Gelassenheit

Mit Karlskrona erreichen wir eine Stadt, die überrascht. Die historische Marinestadt verteilt sich auf mehrere Inseln und verbindet urbane Strukturen mit ganz viel Wasser und Weite.

Wir erkunden die Stadt zu Fuß, spazieren entlang der Uferpromenaden und genießen die Mischung aus Geschichte und Leichtigkeit. Zwischendurch halten wir mal inne für eine „Fika“, dem schwedischen Kaffeeklatsch. Selbstverständlich landestypisch ergänzt mit leckeren Kanelbullar (schwedische Zimtschnecken mit Kardamom). Trotz Stadt wirkt alles überschaubar, freundlich und nie hektisch. Auch hier merken wir: Schweden im Frühjahr ist ideal für Familien. Man kann einfach losgehen, ohne vorher alles minutiös planen zu müssen.

Zur Übernachtung zieht es uns gute 20 Kilometer weiter ostwärts auf den Senoren Stellplatz, der auf einer vorgelagerten kleinen Insel liegt, die mit einer ansehnlichen Brücke angebunden ist. Der Platz ist ruhig gelegen, naturnah und trotzdem perfekt angebunden. Ein Ort, an dem man abends zur Ruhe kommt und morgens entspannt weiterzieht.

5. Urshult & Åsnen-See: Stille, Wasser und echtes Runterkommen

Weiter geht es ins Landesinnere nach Urshult. Der Urshult Campingplatz liegt direkt am Åsnen-See und ist im Frühjahr ein absoluter Traum. Noch sind nur wenige Camper da, die Natur steht ganz klar im Mittelpunkt. Der Platz ist gerade aus seinem Winterschlaf erwacht. Und die sympathischen Betreiber basteln hier und da noch ein bisschen, um sich für den Ansturm im Sommer zu rüsten.

Wir verbringen unsere Tage mit kleinen Spaziergängen am Wasser, sitzen auf Stegen, beobachten Vögel und genießen diese tiefe, fast meditative Stille an diesem malerischen Ort. Für die Kinder wird jeder Steg zur Bühne, jeder Stock zum Schatz. Außerdem holen wir einige Male unser mitgebrachtes Kajak raus und genießen die wechselnden Aussichten vom Wasser aus. Für uns Erwachsene ist es genau die Art von Entschleunigung, die man sich im Alltag oft wünscht.

Von Urshult aus unternehmen wir einen Tagesausflug in den Åsnen Nationalpark, der nur eine kurze Fahrt entfernt liegt. Schon nach wenigen Minuten sind wir mitten in einer Landschaft aus Wasser, Wald und kleinen Inseln. Auf gut angelegten Wegen erkunden wir die Umgebung, wandern gemütlich durch lichte Wälder und stehen immer wieder plötzlich direkt am Seeufer.

Das Wasser ist hier allgegenwärtig – ruhig, klar und voller Leben. Wir machen kleine Pausen auf Holzstegen und Aussichtsplattformen, essen Snacks in der Sonne und lassen den Blick über den See schweifen. Für die Kinder gibt es unendlich viel zu entdecken: Wandererhütten, Grillplätze, Steine, Tiere, Wege, die einladen, einfach loszulaufen.

Der Åsnen Nationalpark fühlt sich nie anstrengend an, sondern angenehm weit und offen. Genau deshalb ist er ideal für Familien: Man kann viel erleben, ohne viel planen zu müssen. Am Nachmittag kehren wir entspannt zum Campingplatz zurück – ein bisschen müde, sehr zufrieden und mit dem Gefühl, einen der stillsten und ursprünglichsten Orte dieser Reise erlebt zu haben.

6. Tjörn & Rösselvik: Schären, Felsen und ein perfekter Abschluss

Als sich für Småland ein Wetterumschwung ankündigt, entscheiden wir uns spontan für einen letzten Tapetenwechsel – und fahren weiter an die sonnige Westküste, auf die Insel Tjörn. Schon auf der Anfahrt spüren wir, wie sich die Landschaft verändert: mehr Felsen, mehr Meer, rauer, klarer, weiter. Die typische schwedische Schärenlandschaft wirkt im Frühjahr besonders ursprünglich und fast ein wenig zeitlos.

Über eindrucksvolle Brücken, die sich über fjordähnliche Meeresarme spannen, erreichen wir zunächst den Campingplatz in Skärhamn. Der schön angelegte Platz liegt nah an der Küste – nur durch einen Felsenparcours vom Wasser getrennt – und überrascht uns kurz vor dem Wochenende mit hoher Auslastung. Statt uns festzulegen, unternehmen wir einen Spaziergang über die Felsen hinunter zur Schärenküste, lassen den Blick übers Meer schweifen und merken schnell: Dieser Ort verdient mehr Zeit. Wir nehmen uns vor, bei einer späteren Reise noch einmal zurückzukehren.

Für diese Nacht zieht es uns weiter zu einem privaten Stellplatz in Rösselvik. Der kleine Platz, von einem sympathischen älteren Schweden betrieben, bietet Raum für wenige Fahrzeuge und außer Ambiente keinerlei Ausstattung – und genau das macht seinen besonderen Charme aus. Unser Bauchgefühl bestätigt sich sofort: Während unseres Aufenthalts sind wir ganz allein. Die Sonne strahlt, das Meer glitzert, und plötzlich fühlt sich alles ein bisschen wie Saltkrokan an.

Wir stehen direkt am Wasser. Mads holt ohne Umschweife seine Krebsangeln hervor, Målin sammelt Muscheln und Schnecken, gemeinsam entsteht ein improvisiertes Tupperdosen-Aquarium. Der Rest des Tages vergeht mit Felsenkraxeln, Erkunden der schönen Umgebung, Aussicht-genießen und Grillen am Wohnmobil.
Am Abend sitzen wir draußen, die Sonne steht tief, warmes Licht tanzt über die Felsen. Die Kinder werfen Steine ins Wasser, wir lehnen uns zurück. Ein leiser, friedlicher Moment – und ein perfekter Abschluss dieser wundervollen Reise durch Südschweden.


Warum Südschweden im Frühjahr perfekt für Camping-Einsteiger ist

Diese Reise hat uns einmal mehr überzeugt:

  • Überraschend gutes Wetter mit viel Licht und milden Temperaturen
  • Wenig Trubel auf Stell- und Campingplätzen
  • Kurze Distanzen – ideal für Familien
  • Entspannte Atmosphäre, die Sicherheit gibt
  • Große Flexibilität für spontane Entscheidungen

Gerade für Camping-Neulinge nimmt das Frühjahr viel Druck raus. Man darf ausprobieren, ankommen, lernen – ohne Stress.


Fazit: Südschweden geht immer – für jeden und vor allem im Frühling

Am Ende dieser Reise bleibt weniger eine Liste an Orten als vielmehr ein Gefühl. Südschweden im Frühling hat uns mit Weite, Ruhe und wie immer viel Leichtigkeit empfangen. Mit jedem Stopp wurde einmal wieder klar, wie gut sich dieses Land für eine Wohnmobiltour mit Kindern eignet – gerade auch für Camping-Einsteiger. Viel Platz, entspannte Stellplätze, kurze Wege in die Natur und genug Freiraum, damit jeder seinen Rhythmus finden kann.

Diese Reise war kein Abarbeiten von Highlights, sondern ein langsames Unterwegssein. Zeit für Geburtstagskuchen am Campingplatz, für improvisierte Abenteuer am Wegesrand, für Abende, an denen man einfach sitzen bleibt, weil es sich richtig anfühlt. Südschweden hat uns erneut gezeigt, dass es nicht viel braucht: ein bisschen Frühling, ein gutes Stück Natur – und die Freiheit, einfach loszufahren.